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Euromaxx-Bericht über die Weltpremiere

Mit 100 Millionen verkauften Tonträgern sind die Scorpions Giganten des Hardrocks: 2015 feiern sie ihr 50-jähriges Bandbestehen. Auf ihrer weltweiten Abschiedstournee beschlossen sie irgendwann einfach weiterzumachen. Diese und andere Geschichten erzählt der von der Deutschen Welle koproduzierte Dokumentarfilm. Hier ist der Bericht über die Weltpremiere von FOREVER AND A DAY in Berlin.

Weltpremiere in Berlin

Weltpremiere
Es ist kurz vor 22:30 Uhr, als die Scorpions im Berliner Kino der Kulturbrauerei mit stehenden Ovationen begrüßt werden. Viele der 600 Besucher tragen schwarzes Leder und silberne Nieten – so wie man es auch von den Hardrockern aus Hannover seit mehreren Jahrzehnten kennt. Die Scorpions haben eine treue Fangemeinde: Die Premiere ihres ersten Kinofilms wird zum Pflichttermin.

In 97 Minuten bekommen die Zuschauer intime Einblicke in die Dynamik der Band und die Emotionen der Musiker. Die Scorpions gewinnen immer mehr Vertrauen zu den Filmemachern und werden für ihre Ehrlichkeit belohnt: Großen Applaus gibt es in der Szene, in der klar wird, dass Frontmann Klaus Meine eine der wenigen erfolgreichen Ehen im Rockgeschäft führt: Der 66-jährige Sänger ist seit 1977 mit seiner Frau Gabi verheiratet. „Dieser Moment war im wahrsten Sinne des Wortes ganz großes Kino“, sagt Rolf Rische, Kulturchef der DW, nach dem Screening. Er hatte vor sieben Jahren die Idee zu dem Film und freut sich über den gelungenen Premierenabend. Auch Klaus Meine erinnert sich gerne an das erste gemeinsame Gespräch vor Jahren zurück und ruft stolz: „Jetzt stehen wir hier 2015 und haben das gemeinsam durchgezogen!“

DW-Intendant Peter Limbourg ist sehr zufrieden mit FOREVER AND A DAY: „Wir können mit solchen Produktionen zeigen, welche tollen Sachen es in Deutschland gibt.“ Dazu erläutert er die Parallelen zwischen seinem Auslands-Sender und der Band: „Beide sind auf ihre Art Botschafter Deutschlands und wir tragen ein bisschen dieses Bild nach außen.“

Intensive Zusammenarbeit

FOREVER AND A DAY erzählt davon, wie die Scorpions auf eine lange Abschiedstournee gehen und von Bangkok bis Moskau frenetisch gefeiert werden. Das Ende ist bekannt: Die Scorpions haben sich doch nicht aufgelöst. Stattdessen feiern sie 2015 ihr 50. Bandjubiläum mit einer neuen Tour, einem neuen Album – und eben diesem Kinofilm. Der ist ein Langzeitprojekt geworden: Drei Jahre lang hat die Filmcrew das Quintett immer wieder bei Tournee-Stationen in der ganzen Welt getroffen. „Das ist eine lange Zeit – daher wollten wir für die Regie jemanden, mit dem die Chemie stimmt“, sagt Klaus Meine. Die Wahl fiel auf Katja von Garnier. Sie traf die Hardrocker zum Kennenlernen beim Spargelessen in einem Landhotel und erkannte gleich ein Spannungspotential: „Sie sind bodenständig und pünktlich – gleichzeitig leben sie nach der Maxime ‚The Sky is the Limit‘.“

Wie aufwändig es war, dieses Filmprojekt zu realisieren zeigt auch die Anzahl der beteiligten Partner auf der Premierenbühne. Neben der DW waren auch der Filmverleih Tempest Film, die Produktionsfirma DOKfilm Babelsberg der Sender ZDF/Arte, die Nordmedia Filmförderung sowie die deutsche Filmförderungsanstalt FFA mit dabei. Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Film keine normale Tournee-Dokumentation werden sollte: „Wer will schon hören, dass eine Band ein Stadion ausverkauft hat“, erklärt Leadgitarrist Matthias Jabs lapidar.

50 Jahre im Dienst von Hardrock

So ist es eine Geschichte über Musik und Freundschaft geworden. Der jahrzehntelange Zusammenhalt der Bandmitglieder ist ihr Erfolgsgeheimnis. Das begeistert auch die Premieren-Zuschauer. „Der Film ist eine Verneigung vor der Lebensleistung dieser Band“, urteilt Marcel Schleiff, Filmemacher und Hardrock-Experte. Ihn faszinieren vor allem die ungekannten Super-8-Aufnahmen aus dem Band-Archiv.

Die Erinnerungen von Bandgründer Rudolf Schenker an die Anfangstage sorgen für viele Lacher: So wie die Geschichte des vom Arbeitsamt vermittelten Auftritts in einem Tennisclub oder die Überpünktlichkeit der deutschen Musiker bei ihrem ersten Gig in Liverpool. Der Gitarrist und Songschreiber fühlt sich von der Regisseurin voll verstanden: „Sie hat diese Macho-Maske von den Scorpions genommen und hinter der Maske eine ganz andere Band zum Vorschein gebracht.“

Neuer Auftrieb

Vor allem soll der Film bei den Zuschauern gut ankommen – auch bei denen, die sich sonst nicht für Hardrock interessieren. Das gelingt auf der Berliner Premiere sehr gut und so gesteht Klaus Meine, dass sein Herz nun ein wenig schneller schlage als sonst. Auch Matthias Jabs ist stolz auf den fertigen Film und fügt lächelnd hinzu: „Wie ich uns kenne, wird es noch einen Teil 2 geben müssen, denn wir hören ja einfach nicht auf.“ Rolf Rische von der DW wäre jedenfalls bereit dafür: „Auf jeden Fall – jetzt wo ein Vertrauen da ist, kann man natürlich noch mal ganz anders zusammen arbeiten.“

Nun gilt es aber erst einmal für alle Beteiligten, die Lorbeeren zu ernten. Parallel zu den jeweiligen Tour-Stopps soll der Film 2015 weltweit in die Kinos kommen. Mit der Weltpremiere von FOREVER AND A DAY wurde das Jubiläumsjahr der Scorpions soeben feierlich eröffnet.

Filmplakat


Das offizielle Filmplakat. Nach der Weltpremiere kommt FOREVER AND A DAY am 26. März in die deutschen Kinos. Danach wird der Film auch international auf der großen Leinwand zu sehen sein und auf DVD veröffentlicht. Die Sendetermine im Programm der Deutschen Welle und von ARTE stehen noch nicht fest.

Filmtrailer

Die Weltpremiere von FOREVER AND A DAY wird am 7. Februar 2015 in Berlin gefeiert. Hier ist schon mal ein kleiner Appetithappen.

Sneak-Preview im Kino

In Anwesenheit der Scorpions wurden in Hannover erstmals exklusive Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm FOREVER AND A DAY auf der großen Leinwand gezeigt. Die Musiker und die geladenen Gäste im „Astor Grand Cinema“ waren begeistert.

Sänger Klaus Meine sagte im Interview mit dem DW-Musikmagazin PopXport: „Wir haben noch nie ein Filmteam so nah an uns heran kommen lassen wie für diesen Film. Er beleuchtet nicht nur den Glamour und den Rock ’n’ Roll auf der Bühne, sondern auch die andere Seite des Musikgeschäfts: die Selbstzweifel und die persönlichen Probleme.“

Gitarrist Rudolf Schenker meinte: „Das ist nicht einfach ein Musikfilm, sondern mehr als das. Er funktioniert auf vielen Ebenen und geht auch noch ans Herz. Mehr kann man nicht erwarten.“

Die Scorpions im Interview: “Zu viel Spaß, um aufzuhören”

Sie sind die erfolgreichste deutsche Rockband aller Zeiten, haben über 100 Millionen Tonträger verkauft und mehrere tausend Konzerte gegeben. 2012 sollte eigentlich Schluss sein, doch es kam anders bei den Scorpions. Im Interview sprechen Sänger Klaus Meine, Gitarrist Rudolf Schenker und Lead-Gitarrist Matthias Jabs über den Abschied vom Abschied, die Herausforderungen von Unplugged-Konzerten, das 50-jährige Bandjubiläum, den großen Dokumentarfilm FOREVER AND A DAY und das Album, an dem sie gerade arbeiten.

DW: 2010 habt Ihr bekannt gegeben, nach einer dreijährigen Farewell-Tour die Karriere beenden zu wollen. Anfang 2013 kam dann die Entscheidung, weiter zu machen. Warum?

Klaus Meine: Wenn man auf eine dreijährige Farewell-Tour geht – da weiß man, dass man noch eine lange Zeit vor sich hat. Aber diese lange Zeit, die war sehr viel schneller rum, als wir uns vorstellen konnten. Und je näher wir an den finalen Punkt kamen, also Richtung München im Dezember 2012, umso mehr haben wir das Gefühl gekriegt, wir sind noch lange nicht am Ende. Da waren so viele Bildern im Kopf und all die Emotionen im Herzen: All das, was wir erlebt haben zwischen 2010 und 2012, die 200 Konzerte, die wir gespielt haben, das war einfach so stark. Wenn man auf der Bühne steht und da runter schaut und so viele Fans sieht – auch aus der jungen Generation, die so abgehen und sagen: “Scorpions, es ist so geil, wir sehen Euch das erste Mal, wann kommt ihr wieder?” Also, es ist so motivierend und inspirierend, für drei Generationen zu spielen. Wir haben alle viel zu viel Spaß, um die Gitarren schon in die Ecke zu stellen.

Rudolf Schenker: Der Erfolg der Farewell-Tour hat uns überwältigt. Wenn du davon ausgehst, dass Du eine ganz neue Generation vor dir hast – viele 18-, 19-, 20-Jährige, dann kommst Du in eine Situation, wo Du einen Kick bekommst. Im Grunde haben wir die Farewell-Tour angesetzt, weil wir nicht wollten, dass wir auf der Bühne stehen und das nicht mehr abliefern können, was die Leute von uns erwarten.

Matthias Jabs: Für den Abschied gab es ja erst mal viele Argumente, die wurden aber schnell überholt von dem Gefühl, wie viel Spaß das alles macht. Egal wo wir hingegangen sind, das Publikum stand überall Kopf – in Südamerika, in den USA, in ganz Europa. Und wir haben einfach gedacht, das kann doch nicht das Ende sein.

Dann kam das Angebot, ein MTV-Unplugged-Konzert in Athen zu spielen, das dann später auch auf CD und DVD veröffentlicht wurde. Was bedeutet Euch die Akustik-Reihe?

Klaus Meine: Es war Anfang 2013, als das Angebot von MTV-Unplugged kam. Da hat uns natürlich das Jagdfieber gepackt und wir haben gesagt: “MTV-Unplugged? Sollen wir jetzt sagen, zu schade, wir haben gerade aufgehört? Natürlich nicht.” Also, da waren wir alle sehr schnell der Meinung, das ist noch mal eine Herausforderung. MTV-Unplugged ist so ein Brand, auch wenn MTV heute nicht mehr das ist, was es mal in den glorreichen 1980er Jahren war. Aber das ist so eine starke Geschichte, wo eigentlich die besten Musiker der Welt unterwegs sind und wo man Teil dieser MTV-Unplugged-Historie wird. Und deswegen war das für uns eine Einladung, die wir wirklich nicht ausschlagen konnten und wo wir uns mit voller Leidenschaft rein gestürzt haben.

Was ist denn die Herausforderung bei MTV-Unplugged?

Matthias Jabs: Die Akustik-Gitarre verzeiht nichts. Man muss mit viel größerer Konzentration und Genauigkeit spielen. Eine Elektro-Gitarre, gerade wenn sie etwas verzerrter ist, da kann man auch mal reinhauen und der Ton steht ein bisschen länger. Das gibt ja auch den ganz eigenen Sound. Aber bei einer Akustik-Gitarre muss jeder Ton genau dann gemacht werden, wenn er dran ist, und das macht es eben besonders schwierig.

Welche Rolle spielen bei Euch die sozialen Medien?

Klaus Meine: Für eine Live-Band, die so global unterwegs ist wie die Scorpions, ist das Internet zum Verbündeten geworden – in dem Sinne, dass man sich fast nach jedem Konzert auf YouTube Songs anschauen kann. Das sehen dann junge Leute und die sagen, wenn die Scorpions in mein Land kommen, dann gehe ich mit meinen Freunden hin, denn da gibt es auf jeden Fall eine Rock’n Roll-Vollbedienung, und da werden wir eine gute Zeit haben. Die gehen dann vom Konzert weg und erzählen, wir haben die Scorpions gesehen und das war so geil; das war jetzt keine Altherrenrockercombo, die da unterwegs ist, sondern eine Band, die uns mit ihrer Musik direkt ins Herz getroffen hat.

Nächstes Jahr feiert Ihr 50 Jahre Scorpions. Was plant Ihr für das Jubiläum?

Klaus Meine: Wir wollen 2015, wenn wir, man mag es kaum aussprechen, 50th Anniversary feiern, natürlich auch mit einem starken Album aufwarten. Wir waren in den letzten Wochen im Studio und haben da weiter gemacht, wo wir 2011 schon mal angefangen hatten: bei einem Projekt, das wir “Outtakes” benannt haben und für das wir Songs aus den 80er Jahren nochmal durchgehört haben und unsere Archive, die ganzen Schubladen, durchgekramt haben. Da haben wir viel Material gefunden, viele Titel, die wir nie veröffentlicht haben, die auch zum Teil nicht unbedingt fertig komponiert waren. Da gab es auch Texte, Arbeitstexte, wo ich mich jetzt wieder ran gesetzt habe und einfach neue Lyrics geschrieben habe und gesagt habe, da ist doch das eine oder andere Juwel dabei. Auf dem Album wird es aber auch neues Material geben – Songs, die jetzt gerade entstehen. Also, es ist ein spannendes Projekt.

Was ist mit dem Dokumentarfilm FOREVER AND A DAY, den Regisseurin Katja von Garnier im Auftrag der Deutschen Welle und des Zweiten Deutschen Fernsehens macht?

Klaus Meine: Der Dokumentarfilm soll ebenfalls 2015 rauskommen. Ein Kamerateam hat uns in den letzten Jahren rund um die Welt begleitet – in Bangkok, Berlin, München, Paris, Los Angeles und Moskau. Neulich haben wir uns bei einem Screening die letzte Version des Films angeschaut. Das ist schon abgefahren, auch weil da so viel Material zu sehen ist, an das wir uns selbst gar nicht mehr erinnern konnten, zum Beispiel die Scorpions mit ihrem alten Band-Bus Anfang der 70er Jahre auf Tour. Da sind so viele Bilder drin, die außer uns noch niemand gesehen hat. Ich glaube, das wird ein ganz besonderer Film für unsere Fans.

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